Amazon MGM AI Studio – KI soll Drehs beschleunigen und sorgt für Nervosität in Hollywood KI-Postproduktion, AWS und LLMs, Produktionskosten senken

- - von

Amazon MGM startet ein AI Studio zur Beschleunigung von Film- und Serienproduktionen. Der Fokus liegt auf Postproduktion, AWS und spezialisierten KI-Tools. Kreative fürchten dennoch Jobverluste.

Amazon MGM AI Studio

Ein Drehplan, der nicht explodiert, Budgets, die nicht aus dem Ruder laufen, und Nachbearbeitung ohne monatelanges CGI-Nachtschichten-Drama. Genau dieses Versprechen verbindet Amazon MGM mit seinem neu gegründeten „AI Studio“. Der Konzern will Künstliche Intelligenz gezielt in der Film- und Serienproduktion einsetzen, um Prozesse zu beschleunigen und Kosten zu senken. Klingt effizient, sorgt aber für spürbare Unruhe bei Kreativen berichtet Reuters.

Ein internes Startup mit klarer Mission

Geleitet wird das AI Studio von Albert Cheng, einem erfahrenen Entertainment-Manager, der das Team bewusst wie ein internes Startup aufgestellt hat. Klein, fokussiert und nach dem bekannten „Two-Pizza-Team“-Prinzip organisiert. Ingenieure und Wissenschaftler bilden den Kern, ergänzt durch ausgewählte Kreativ- und Business-Profile. Bereits im März startet eine geschlossene Beta mit Industriepartnern, erste Ergebnisse sollen im Mai folgen.

Fokus auf Postproduktion statt Drehbuch

Amazon betont, dass es nicht um generative Drehbücher oder KI-Regisseure geht. Der Schwerpunkt liegt klar auf Postproduktion und technischen Engpässen. Besonders zeit- und kostenintensive Aufgaben wie CGI, Compositing oder das Angleichen von Szenen sollen automatisiert oder zumindest beschleunigt werden. Ein konkretes Beispiel ist die Konsistenz von Charakteren über verschiedene Einstellungen hinweg, ein Dauerproblem bei aufwendigen Produktionen.

AWS, LLMs und kreative Kontrolle

Technisch setzt Amazon auf die eigene Cloud-Infrastruktur AWS sowie auf mehrere Large Language Models, um flexibel zu bleiben. Wichtig dabei: Die Tools sollen nicht wie generische KI-Systeme funktionieren, sondern feingranulare Kontrolle für Regisseure bieten und sich in bestehende Branchen-Software integrieren lassen. Amazon betont zudem den Schutz geistigen Eigentums. KI-generierte Inhalte sollen nicht ungefragt in andere Modelle einfließen.

Prominente Unterstützung, erste Praxisbeispiele

Für Glaubwürdigkeit sorgt Amazon mit bekannten Namen. Mit an Bord sind unter anderem Kunal Nayyar („The Big Bang Theory“), Produzent Robert Stromberg („Maleficent“) und der frühere Pixar-Animator Colin Brady. Als praktisches Beispiel nennt Amazon die Serie „House of David“. Für die zweite Staffel wurden KI-generierte Sequenzen mit Realaufnahmen kombiniert, um groß angelegte Schlachten günstiger und schneller umzusetzen.

Unterstützung oder schleichender Jobabbau?

So sehr Amazon betont, dass Menschen in jedem kreativen Schritt beteiligt bleiben, so groß ist die Skepsis in Hollywood. Die Sorge: Was heute als Assistenz beginnt, könnte morgen Arbeitsplätze kosten. Diese Angst wird verstärkt durch Amazons Abbau von rund 30.000 Stellen seit Oktober, der teils mit KI-Effizienz begründet wurde, auch im Prime-Video-Umfeld.

Internationale Debatte schwappt über

Die Diskussion ist längst kein US-Thema mehr. Auch in Europa wächst der Widerstand. In Deutschland etwa stehen Streaminganbieter wegen geplanter KI-Stimmenmodelle für Synchronsprecher unter Kritik. Das Amazon-Projekt reiht sich damit in eine breitere Debatte ein: Wo endet technische Hilfe, und wo beginnt der Ersatz menschlicher Arbeit?

Einschätzung

Amazons AI Studio wirkt weniger nach Science-Fiction als nach nüchterner Produktionsoptimierung. Gerade im Bereich Postproduktion ist der Effizienzgewinn plausibel. Gleichzeitig zeigt die heftige Reaktion der Kreativbranche, wie sensibel das Thema besetzt ist. Entscheidend wird sein, ob Amazon seine Zusage einhält, KI als Werkzeug und nicht als Ersatz einzusetzen. Gelingt das, könnte das AI Studio zum neuen Standard werden. Scheitert es, dürfte der Widerstand lauter werden als jeder Blockbuster-Trailer.

Wie seht Ihr das: sinnvolle Unterstützung für Kreative oder der erste Schritt zu einer automatisierten Traumfabrik?

Kay

Mein Name ist Kay und ich beschäftige mich bereits seit über 20 Jahren mit Technik und Entertainment. Neben NerdsHeaven interessieren mich vor allem Smartphones, Games und PC-Hardware.

Kommentar schreiben

Optional, wird nicht veröffentlicht.
Bild entfernen Bild zum Kommentar hinzufügen (JPG, PNG)