Oura denkt die smarte Brille mit – AR-Displays und Steuerung per Ring im Patent aufgetaucht AR-Overlays, Ring-Gestensteuerung, Gesundheitsdaten in Echtzeit
Oura hat ein Patent für ein System aus smartem Ring und AR-Brille veröffentlicht. Gesundheitsdaten sollen direkt im Sichtfeld erscheinen und per Ring-Gesten steuerbar sein. Ob daraus ein Produkt entsteht, ist offen.
Der Griff zum Smartphone gehört für viele Wearable-Nutzer immer noch zum Alltag und das selbst dann, wenn Sensoren längst rund um die Uhr Daten sammeln. Oura scheint genau dieses Problem zumindest gedanklich angehen zu wollen. Ein neu veröffentlichtes Patent zeigt, dass der Ring-Spezialist an einer smarten Brille mit AR-Funktionen gearbeitet hat, die eng mit einem smarten Ring zusammenspielt. Noch ist das Ganze Theorie, aber eine mit spannenden Implikationen.
Patent statt Produktankündigung
Unter der Patentnummer 20260023426 beschreibt Oura ein System, bei dem mehrere Wearables ihre Daten teilen und gemeinsam ausspielen. Besonders deutlich wird dabei die Kombination aus Ring und Brille. Der Ring erfasst biometrische Daten wie Herzfrequenz, Bewegung oder Temperatur, während die Brille diese Informationen direkt im Sichtfeld einblendet. Der Umweg über Smartphone oder Smartwatch entfällt.
Wichtig: Es handelt sich ausdrücklich um ein Patent. Das belegt, dass Oura bis mindestens Mitte 2025 an solchen Konzepten gearbeitet hat, sagt aber nichts darüber aus, ob jemals ein marktreifes Produkt folgt.
Gesundheitsdaten dort, wo Ihr hinschaut
Das Grundprinzip ist schnell erklärt. Statt Werte in einer App nachzuschlagen, erscheinen relevante Informationen kontextabhängig als Overlay. Beim Training könnte das die aktuelle Herzfrequenz oder Belastungszone sein, beim Spaziergang Hinweise auf Stress oder Erholung. Die Anzeige erfolgt in Echtzeit und ohne aktives Eingreifen.
Die Steuerung läuft dabei nicht über Touchflächen an der Brille, sondern über Gesten mit dem Ring. Drehen, Faust ballen oder ähnliche Bewegungen dienen als Eingabe. Das passt zur Oura-DNA: möglichst wenig Ablenkung, möglichst viel Automatik.
AR, XR und viel Grauzone
Im Patent tauchen Begriffe wie Augmented Reality, Mixed Reality und Virtual Reality auf. In der Praxis bleibt das bewusst unscharf. Schon die Einblendung eines Herzfrequenzwerts im Sichtfeld ist streng genommen eine Erweiterung der Realität. Eine echte Verschmelzung von digitaler Information und realer Umgebung, etwa bei Übersetzungen oder Objektüberlagerungen, wäre der nächste Schritt, aber kein Muss.
Oura beschreibt hier eher eine skalierbare Plattform, die von einfachen Overlays bis zu komplexeren AR-Szenarien reichen könnte.
Technik aus der AR-Welt
Spannend ist der Blick auf die Erfinderliste des Patents. Mehrere Beteiligte kommen aus AR-Teams großer Tech-Konzerne, darunter Meta. Das spricht dafür, dass Oura zumindest ernsthaft geprüft hat, wie sich optische Wearables realistisch umsetzen lassen. Die beschriebene Brille verfügt über Kamera, Mikrofone, Lautsprecher und ein Display-System für visuelle Overlays.
Der Ring übernimmt dabei noch eine zweite Rolle: Er fungiert als Sicherheits- und Identitätsschlüssel. Ist er nicht in der Nähe, bleiben die Brillenfunktionen gesperrt. Ein pragmatischer Ansatz für Datenschutz und Zugriffsschutz.
Kontext statt nackter Zahlen
Interessant ist weniger die Anzeige einzelner Messwerte als die Verknüpfung von Körperdaten mit Umgebung. Steigt die Herzfrequenz plötzlich an, könnte die Brille zeitgleich erfassen, was gerade passiert. Diese Kombination aus biometrischen Daten und visuellen Eindrücken soll helfen, Ursachen besser zu verstehen, ein Punkt, an dem viele heutige Wearables noch schwächeln.
Einschätzung
Das Patent zeigt Oura nicht als Ring-Hersteller mit Tunnelblick, sondern als Anbieter, der ein ganzes Wearable-Ökosystem denkt. Eine eigene smarte Brille wäre ein großer Schritt und technisch wie wirtschaftlich riskant. Genauso gut könnte das Patent defensiv sein oder die Basis für Partnerschaften legen.
Klar ist: Oura denkt über den Finger hinaus. Ob wir Gesundheitsdaten künftig wirklich im Sichtfeld sehen oder doch weiter aufs Handy schauen, bleibt offen. Würdet Ihr eine solche Brille im Alltag nutzen oder ist das eine Idee, die besser im Patent bleibt?
