141 Jahre Laufzeit? Das mysteriöse YouTube-Video erklärt manipulierte Videolänge, Metadaten-Anomalie, mögliche API-Schwachstelle
Ein YouTube-Video zeigt eine Laufzeit von fast 141 Jahren, obwohl real nur rund 12,5 Stunden abspielbar sind. Wahrscheinlich wurden Metadaten manipuliert. Der Fall sorgt für Diskussionen über Bugs, Exploits und Plattform-Grenzen.
Ein schwarzer Bildschirm, kein Ton und trotzdem eine Laufzeit von fast 141 Jahren. Seit Anfang Januar sorgt ein Video des YouTube-Kanals ShinyWR für kollektives Stirnrunzeln. In der Videoliste und im Thumbnail wird eine Dauer von 1.234.567 Stunden und 30 Minuten angezeigt. Rechnerisch landet man damit irgendwo im Jahr 2166, falls jemand ernsthaft vorhat, den Clip bis zum Ende laufen zu lassen. Spoiler: Das wird niemand tun, denn technisch existiert dieses Video in dieser Länge gar nicht.
Anzeige vs. Realität: Wo die Zahlen kippen
Startet ihr den Clip, zerbröselt die Illusion recht schnell. Die Zeitleiste springt sofort auf 12 Stunden, 34 Minuten und 56 Sekunden: exakt die Zahlenfolge 123456. Danach ist Schluss. Inhaltlich passiert bis dahin exakt nichts: schwarzer Screen, absolute Stille. Gerade diese Kombination macht das Ganze so spannend, denn ein echtes Video mit über einer Million Stunden Laufzeit wäre selbst für Googles Infrastruktur jenseits von Gut und Böse. Wir reden hier nicht mehr über Gigabyte, sondern vermutlich über Petabytes an Daten.
In der Community gilt daher als ziemlich sicher, dass hier keine reale Videodatei mit absurder Länge hochgeladen wurde, sondern dass Metadaten manipuliert wurden. Der in Foren häufig genannte Begriff lautet „Garbage Math“: Zahlen werden so in Felder geschrieben, dass die Oberfläche sie anzeigt, ohne dass sie jemals zur tatsächlichen Datei passen.
Glitch, Exploit oder gezielte Provokation?
Wie Dexerto berichtet, sind sich technisch versierte Nutzer uneinig, was genau hier ausgenutzt wurde. Im Raum stehen ein klassischer Integer Overflow, ein UI-Bug oder ein gezielter API-Exploit. Die plausibelste Erklärung: YouTube prüft zwar, ob eine Videodatei abspielbar ist, verlässt sich bei der Anzeige der Gesamtlaufzeit aber auf Werte aus dem Streaming-Manifest. Werden dort absurde Zahlen übermittelt, zeigt die Oberfläche sie an solange das eigentliche Video innerhalb der bekannten Limits bleibt.
Zum Vergleich: Reguläre Uploads sind auf zwölf Stunden oder 128 GB begrenzt. Alles darüber läuft normalerweise nur über Livestream-Archive. Genau deshalb wirkt das 140-Jahre-Video wie ein sauber platzierter Stachel im System. Ähnliche Spielereien gab es früher schon, etwa mit negativen Videolängen oder grotesk hohen View-Zahlen, die durch manipulierte Requests entstanden. Meist reagiert Google schnell. Hier allerdings hält sich das Video überraschend hartnäckig.
Der Kanal wirft neue Fragen auf
Fast noch schräger als die Technik ist der Kanal selbst. ShinyWR gibt als Standort Nordkorea an, was sofort Spekulationen auslöst. Realistisch ist allerdings, dass es sich schlicht um eine falsche Profileinstellung handelt. Die Videobeschreibung enthält arabische Schriftzeichen mit Botschaften wie „Komm, triff mich in der Hölle“. Gleichzeitig gibt sich der Uploader in den Kommentaren ahnungslos und fragt, warum seine Videos plötzlich empfohlen werden.
Das nährt Theorien über einen aufwendigen Troll, ein Alternate Reality Game oder schlicht einen gezielten Test, wie robust YouTubes Validierung wirklich ist. Dass der Kanal noch weitere Extremfälle bietet, etwa ein angebliches 150-Stunden-Short, spricht zumindest für Systematik.
Einordnung: Neu ist das Phänomen nicht
Ganz neu ist das Spiel mit absurd langen Videos übrigens nicht. 2011 lud Jonathan Harchick ein 596-Stunden-Video hoch, bevor YouTube die Upload-Regeln verschärfte. Auch der berühmte Lofi-Girl-Stream kam durch Unterbrechungen auf über 20.000 Stunden, allerdings als Livestream-Archiv. Das 140-Jahre-Video setzt dem Ganzen nun eine absurde Krone auf, zumindest visuell.
Einschätzung
Das Video selbst ist inhaltlich wertlos, aber technisch interessant. Es zeigt, wie selbst riesige Plattformen an den Rändern ihrer Systeme angreifbar bleiben. Ob Bug, Exploit oder bewusste Provokation: Das 140-Jahre-Video ist weniger ein Clip als ein Spiegel für die Komplexität moderner Plattformen.
Was meint ihr: harmloser Glitch, cleverer Hack oder bewusst platzierter Stresstest für YouTube?
