KI-Kameras im Straßenverkehr – Pilotprojekt entdeckt über 1.000 Verstöße in vier Tagen KI-Bilderkennung, Echtzeit-Analyse, Handynutzungserkennung, Gurtkontrolle

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KI-Verkehrskameras haben in Athen in nur vier Tagen über 1.000 Verstöße erfasst. Griechenland plant bis 2026 den Ausbau auf rund 2.500 Kameras. Weltweit wächst der Einsatz, begleitet von Debatten über Sicherheit und Überwachung.

KI-Kameras im Straßenverkehr

Eine einzige KI-gestützte Verkehrskamera hat während eines viertägigen Pilotbetriebs in Athen mehr als 1.000 Verkehrsverstöße erfasst. Dokumentiert wurden unter anderem Handynutzung am Steuer, fehlende Sicherheitsgurte und Geschwindigkeitsüberschreitungen. Das Projekt ist Teil eines größeren Modernisierungsvorhabens der griechischen Verwaltung und zeigt, wie schnell automatisierte Verkehrsüberwachung heute skalieren kann.

Wie die KI-Verkehrskameras arbeiten

Im Unterschied zu klassischen Blitzern oder Ampelkameras setzen die neuen Systeme auf Echtzeit-Bilderkennung und Musteranalyse. Die Kameras erfassen hochauflösende Bilder und Videos, versehen diese mit verschlüsselten Zeitstempeln und klassifizieren Verstöße automatisch. Erst nach einer Bestätigung werden die Fälle weiterverarbeitet. Fahrzeughalter erhalten ihre Benachrichtigungen digital, etwa per SMS, E-Mail oder über ein staatliches Online-Portal. Ziel ist eine deutlich effizientere und konsistentere Durchsetzung von Verkehrsregeln.

Ergebnisse aus dem Athener Testlauf

Der Test fand auf mehreren stark frequentierten Verkehrsachsen im Großraum Athen statt. Allein eine Kamera auf der Syngrou Avenue registrierte über 1.000 Verstöße innerhalb von vier Tagen. Zusätzlich wurden in einer 90-km/h-Zone rund 800 Fälle von überhöhter Geschwindigkeit erkannt. An großen Kreuzungen wie Mesogeion–Chalandri und Vouliagmenis–Tinos kamen weitere Rotlichtverstöße hinzu. Insgesamt waren im Pilotprojekt acht KI-Kameras im Einsatz, die in Zusammenarbeit mit der griechischen Polizei positioniert wurden.

Ausbaupläne in Griechenland

Das griechische Ministerium für digitale Verwaltung plant, die Technologie deutlich auszuweiten. Bis Ende 2026 sollen landesweit rund 2.500 KI-Kameras installiert werden. Davon sind etwa 2.000 feste Anlagen an Unfall-Hotspots vorgesehen, weitere 500 sollen auf Fahrzeugen des öffentlichen Verkehrs Busspuren überwachen. Ergänzt wird das System durch eine zentrale digitale Plattform zur Erfassung, Verwaltung und Bearbeitung aller Verstöße, inklusive elektronischer Einsprüche und verschlüsselter Datenübertragung.

Internationale Beispiele: Zwischen Sicherheit und Kritik

Auch außerhalb Griechenlands nimmt KI-Überwachung im Straßenverkehr zu. In den USA sind solche Systeme seit Jahren umstritten. Kalifornien hat ein Gesetz verabschiedet, das ab Januar 2026 Bußgelder für per KI erkannte Rotlichtverstöße vorsieht. Kritiker sehen darin vor allem eine neue Einnahmequelle, Befürworter verweisen auf Sicherheitsgewinne. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA meldete für 2023 fast 3.500 Todesfälle durch Ablenkung am Steuer, häufig durch Smartphones.

In Asien ist der Einsatz oft noch umfassender. In Hanoi erfassten knapp 1.900 Kameras innerhalb einer Woche über 1.000 Verstöße. Im indischen Bundesstaat Kerala wurden in sechs Monaten mehr als 3,2 Millionen Verkehrsdelikte registriert. Auch in Deutschland laufen Pilotprojekte zur Erkennung von Handynutzung, bei denen Einsprüche von Autofahrern bislang keinen Erfolg hatten.

Einschätzung

Die Zahlen aus Athen zeigen eindrucksvoll, wie effizient KI-basierte Verkehrsüberwachung arbeitet. Gleichzeitig rücken Fragen zu Datenschutz, Transparenz und staatlicher Kontrolle stärker in den Fokus. Ob die Technik langfristig vor allem die Verkehrssicherheit verbessert oder primär als Kontrollinstrument wahrgenommen wird, dürfte stark davon abhängen, wie offen Behörden mit Daten, Fehlerquoten und Einspruchsmöglichkeiten umgehen.

Was meint ihr: Erhöhen solche Systeme die Sicherheit auf der Straße spürbar, oder geht der Schritt in Richtung Dauerüberwachung einen Tick zu weit?

Kay

Mein Name ist Kay und ich beschäftige mich bereits seit über 20 Jahren mit Technik und Entertainment. Neben NerdsHeaven interessieren mich vor allem Smartphones, Games und PC-Hardware.

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