Snap macht Ernst mit Specs – AR-Brille bekommt eigene Firma und rückt näher an den Alltag Specs Inc., Consumer-Launch 2026, Snap OS 2.0, Travel Mode Übersetzung
Snap gründet Specs Inc., um seine AR-Brille Specs fokussierter zu entwickeln und für Investoren zu öffnen. Specs sollen später 2026 für Konsumenten starten und setzen auf Snap OS 2.0 mit Browser, KI-Tipps und Reisefunktionen. Technisch stehen räumliche AR-Erlebnisse, Hand-Tracking und Multiplayer-Sync im Mittelpunkt.
Wer schon mal versucht hat, unterwegs eine Karte zu checken, während ihr gleichzeitig einen Koffer, einen Kaffee und eure Würde balanciert, kennt das Problem: Hände sind schnell „ausverkauft“. Snap will genau da ansetzen und seine AR-Brille Specs stärker in Richtung Alltagsgerät schieben. Dafür gründet das Unternehmen eine neue Tochter: Specs Inc. – eine eigenständige Einheit, die sich nur um die Smart-Glasses kümmert.
Eigene Tochterfirma für mehr Fokus und frisches Kapital
Snap hat die Gründung von Specs Inc. am Dienstag angekündigt. Die Begründung klingt nach Konzern-Deutsch mit Sonnenbrille: mehr operativer Fokus, klarere Ausrichtung und mehr Flexibilität für Partnerschaften. Spannend ist vor allem ein Detail: Die neue Sparte soll für Minderheitsbeteiligungen geöffnet werden. Snap kann damit externes Geld anziehen, ohne die komplette Kontrolle abzugeben.
Parallel fährt Snap die Organisation hoch. Rund 100 Stellen weltweit sollen besetzt werden, während der öffentliche Launch näher rückt.
Launch später 2026 – nach Jahren im Entwicklermodus
Specs sind bei Snap kein neues Hobby. Die Technologie entsteht seit über einem Jahrzehnt, eine echte Consumer-Version gab es zuletzt 2018. Seit 2024 läuft die aktuelle Hardware (fünfte Generation) als Developer-only-Produkt. Der Ansatz: erst Software, Tools und Inhalte reifen lassen, dann die breite Masse ansprechen.
Einen festen Veröffentlichungstermin nennt Snap noch nicht. Klar ist nur: Die Brille soll später im Jahr 2026 offiziell für Konsumenten starten.
Snap OS 2.0: Browser, KI-Tipps und Reisehilfe im Sichtfeld
Die Brille läuft nicht auf Smartphone-Android, sondern auf Snap OS. Die neue Version Snap OS 2.0 bringt mehrere Bausteine, die ihr eher von „echten“ Computern kennt: einen überarbeiteten Browser mit Startseite, Widgets und Lesezeichen, außerdem WebXR-Unterstützung für AR-Erlebnisse direkt über Webseiten.
Dazu kommt eine KI-Funktion namens „spatial tips“, die automatisch Infos zu dem liefern soll, was ihr gerade anseht. Und es gibt einen „travel mode“, der euch beim Übersetzen von Straßenschildern und Menüs helfen soll. Praktisch, wenn ihr im Ausland nicht jedes zweite Wort mit „das da“ umschreiben wollt.
Vier Kameras, Hand-Tracking und gemeinsame AR-Erlebnisse
Technisch setzt Snap auf vier Kameras, die Hand-Tracking ermöglichen und die Basis für die Snap Spatial Engine bilden. Dadurch kann die Brille AR-Inhalte räumlich im echten Umfeld verankern. In Demos spielt genau das seine Stärke aus: Spiele wie „Avatar: The Last Airbender“ funktionieren über Bewegung und Gesten, und mehrere Brillen können sich synchronisieren, sodass zwei Personen dasselbe AR-Objekt im selben Raum sehen. Das öffnet Türen für gemeinsames Zocken oder kollaboratives Arbeiten.
Konkurrenzdruck: Meta dominiert, Snap will einen Platz am Tisch
Der Wearables-Markt ist längst ein Rennen. Meta hat mit Ray-Ban (über EssilorLuxottica) starken Rückenwind, Google arbeitet mit Warby Parker. Laut IDC lag Meta im vergangenen Jahr bei 70 Prozent Marktanteil bei ausgelieferten Smart-Brillen, Xiaomi folgte mit 8,5 Prozent, Huawei mit 2,7 Prozent. Snap sagt selbst, dass Hardware und Software teuer sind und dass schon kleine Lieferkettenprobleme Produktionsziele kippen können.
Gleichzeitig betont Snap, man habe in elf Jahren über 3 Milliarden US-Dollar in AR-Brillen investiert. Die neue Tochterfirma wirkt deshalb wie ein Schritt, um das Projekt sauberer zu führen und es für Investoren und Partner greifbarer zu machen.
Einschätzung
Specs Inc. ist weniger ein Marketing-Gag als ein Signal: Snap will nicht nur AR ausprobieren, sondern es als Produktkategorie durchziehen. Ob das klappt, hängt am Ende weniger an noch einer Kamera, sondern an Software, Tragekomfort und einem Ökosystem, das ihr wirklich nutzen wollt. Würdet ihr so eine Brille im Alltag tragen oder bleibt AR für euch eher Demo-Material auf Messen?




