Acer und Asus Verkaufsstopp in Deutschland aufgrund von Patentstreit H.265-Codec Patentstreit, Komplette Webseiten offline, Verkauf über Händler möglich

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Acer und Asus haben ihre deutschen Webseiten komplett abgeschaltet, nachdem das Landgericht München ihnen den Vertrieb von Notebooks wegen Patentverletzungen im Zusammenhang mit dem H.265-Codec untersagt hat. Externe Händler dürfen bestehende Ware noch verkaufen, während beide Hersteller an einer Lösung im Lizenzstreit mit Nokia arbeiten. Support-Services bleiben verfügbar, aber BIOS-Downloads und Produktinformationen sind ohne Umwege nicht mehr zugänglich.

Acer und Asus Verkaufsstopp in Deutschland

Wer am Wochenende versucht hat, auf der deutschen Acer- oder Asus-Webseite ein neues BIOS herunterzuladen oder ein Notebook zu kaufen, stand vor verschlossenen digitalen Türen. Beide Hersteller haben ihre Deutschland-Präsenzen komplett vom Netz genommen und das hat einen handfesten juristischen Grund.

Nokia gewinnt vor Münchner Gericht

Das Landgericht München hat Ende Januar einem Eilantrag von Nokia teilweise stattgegeben. Der Vorwurf: Acer und Asus verletzen mit ihren Notebooks drei Patente rund um den H.265-Videocodec (EP 2 375 749, EP 2 774 375, EP 2 661 892). Besonders beim Patent EP 2 661 892 sah das Gericht die Sache eindeutig genug, um eine einstweilige Verfügung zu erlassen. Die Konsequenz: Beide Hersteller dürfen betroffene Geräte vorerst nicht mehr in Deutschland vertreiben, weder über eigene Kanäle noch über Zwischenhändler.

Nokia führt seit über einem Jahrzehnt Patentkriege in Deutschland, und das Münchner Landgericht hat sich dabei als beliebte Anlaufstelle für klagende Unternehmen etabliert. Die Finnen gehen systematisch gegen Smartphone- und Notebook-Hersteller vor, die ihre Technologien nutzen, ohne entsprechende Lizenzgebühren zu zahlen.

Komplette Webseiten offline

Die Reaktion von Acer und Asus fiel drastisch aus. Statt nur einzelne Produkte aus dem Sortiment zu nehmen, haben beide Hersteller ihre gesamten deutschen Webseiten abgeschaltet. Wer aktuell versucht, die Seiten aufzurufen, landet bei einer Fehlermeldung. Das betrifft nicht nur den Online-Shop, sondern auch Support-Bereiche, BIOS-Updates, Treiber-Downloads und Produktinformationen sind ohne Umweg über andere Länderpräsenzen oder VPN nicht mehr zugänglich.

Asus hat mittlerweile ein Statement veröffentlicht, in dem der Konzern betont, dass alle After-Sales-Services weiterhin funktionieren und bestehende Kunden vollständigen Support erhalten. Wann die Webseite wieder online geht, bleibt aber offen. Möglicherweise ist es schlicht zu komplex, die Vielzahl betroffener Systeme, PCs, Notebooks, NUCs, Handhelds, aus dem Gesamtangebot zu entfernen, ohne die gesamte Seite zu sperren.

Externe Händler dürfen noch verkaufen

Interessanterweise betrifft das Vertriebsverbot nicht den kompletten deutschen Markt. Externe Händler wie MediaMarkt oder Notebooksbilliger dürfen ihre bestehende Ware weiterhin verkaufen. Das Urteil richtet sich primär gegen den Direktvertrieb durch Acer und Asus selbst. Wer also noch ein Notebook der beiden Hersteller kaufen möchte, kann das vorerst noch über den Handel tun, solange der Vorrat reicht.

Hisense, das Nokia im Frühjahr 2025 ebenfalls verklagt hatte, hat sich anders entschieden und im Januar eine Lizenz erworben. Die Smart-TVs des Herstellers können daher weiter in Deutschland verkauft werden. Acer und Asus haben diesen Weg bisher abgelehnt.

FRAND-Streit im Kern

Der eigentliche Knackpunkt liegt wie so oft in der Höhe der Lizenzgebühren. Die betroffenen Patente fallen unter die FRAND-Regelung (Fair, Reasonable and Non-Discriminatory), die faire und nicht-diskriminierende Lizenzbedingungen für standardrelevante Patente vorschreibt. Nokia und die Notebook-Hersteller sind sich offenbar nicht einig darüber, was in diesem Fall als „fair“ gilt.

Asus hat in seinem Statement klargestellt, dass man weitere rechtliche Schritte prüfe, um „so schnell es geht zu einer fairen Lösung“ zu kommen. Klein beigeben und die von Nokia geforderten Gebühren zahlen, das steht für Asus derzeit nicht zur Debatte. Wie lange die deutschen Webseiten offline bleiben und wann betroffene Notebooks wieder regulär verkauft werden können, ist damit völlig offen. Habt ihr in letzter Zeit versucht, auf die Asus- oder Acer-Seite zuzugreifen?

Kay

Mein Name ist Kay und ich beschäftige mich bereits seit über 20 Jahren mit Technik und Entertainment. Neben NerdsHeaven interessieren mich vor allem Smartphones, Games und PC-Hardware.

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