Dreame Kosmera Nebula 1 – Erst Xiaomi, jetzt Dreame 0–100 km/h in ca. 1,8 Sekunden, bis zu 23.000 Nm, 1.399 kW Spitzenleistung
Chinesische Elektronikhersteller drängen mit erstaunlicher Selbstverständlichkeit in den Automobilbau. Was vor wenigen Jahren noch wie ein PR-Gag wirkte, steht inzwischen als rollender Prototyp auf internationalen Messen. Mit dem Kosmera Nebula 1 mischt nun ausgerechnet ein Staubsauger-Spezialist im Elektro-Hypercar-Segment mit.
Vom Smart Home auf die Überholspur
Dreame Tech ist international vor allem für Staubsaugerroboter, Akkusauger und andere Smart-Home-Geräte bekannt. Unter dem neuen Markenlabel Kosmera wagt sich das Unternehmen jetzt in den Automobilbereich. Der Nebula 1 ist dabei kein vorsichtiger Einstieg, sondern eine klare Ansage von oben herab. Eine klassische Top-Down-Strategie, bei der ein extremes Halo-Fahrzeug den technologischen Anspruch der Marke definieren soll.
Viertürig, flach, kompromisslos?
Formal ist der Kosmera Nebula 1 eine Limousine, optisch und konzeptionell aber deutlich näher am Hypercar als an einer Reiselimousine. Vier Türen, langer Radstand, extrem niedrige Dachlinie, die Proportionen erinnern stark an moderne Supersportwagen. Die vollständig aus Kohlefaserlaminat gefertigte Karosserie liegt tief auf dem Asphalt und wirkt bewusst aggressiv.
An den Seiten fallen große Sechs-Speichen-Räder und auffällige gelbe Bremssättel ins Auge. Türgriffe fehlen komplett, was die glatte Seitenlinie zusätzlich betont. Am Heck dominieren durchgehende Rückleuchten, ein feststehender Flügel und ein massiver Diffusor. Auch die aktive Aerodynamik soll eine zentrale Rolle spielen, konkrete Funktionsdetails bleiben Dreame bislang schuldig.
Hightech-Chassis statt klassischer Lösungen
Unter der spektakulären Hülle steckt ein ungewöhnlicher technischer Ansatz. Dreame kombiniert ein Carbon-Monocoque mit tragenden Strukturen aus dem 3D-Drucker. Ziel ist eine hohe Steifigkeit bei möglichst geringem Gewicht. Besonders spannend ist das Fahrwerkskonzept: Statt konventioneller Dämpfer kommen Linearmotoren zum Einsatz, die ein aktives Fahrwerk mit extrem großer Spreizung ermöglichen sollen.
Ob das System eher auf Rennstrecke, Alltag oder beides ausgelegt ist, bleibt offen. Genauso fehlen belastbare Angaben zu Leistung, Batteriegröße oder Reichweite. Klar ist nur: Der Nebula 1 ist rein elektrisch unterwegs und als technisches Aushängeschild konzipiert, nicht als sofort marktreifes Serienfahrzeug.
Einordnung zwischen Vision und Risiko
Der Blick in die Vergangenheit zeigt, wie unterschiedlich solche Projekte enden können. Dyson hat sein E-Auto-Projekt frühzeitig eingestellt, während Xiaomi mit eigenen E-Autos bereits erfolgreich am Markt ist. Dreame bewegt sich also zwischen diesen beiden Polen. Die angekündigte mögliche Serienreife ab 2027 klingt ambitioniert, ebenso Überlegungen zu einer Fertigung in Deutschland, etwa in Brandenburg.
Einschätzung
Der Kosmera Nebula 1 ist weniger ein fertiges Auto als eine technologische Visitenkarte. Dreame demonstriert, welches Know-how aus Motorentechnik, Sensorik und KI theoretisch in ein Fahrzeug einfließen könnte. Ob daraus ein tragfähiges Geschäftsmodell wird, entscheidet sich nicht auf dem Papier, sondern in der Umsetzung. Glaubt Ihr, dass sich Dreame eher am Erfolg von Xiaomi orientiert – oder droht ein Dyson-Déjà-vu?



