YouTube-Werbung unter Druck – Vietnam verbietet nicht überspringbare Clips per Gesetz 5s Regel für Videoanzeigen, sofort schließbare Pop-ups, Verbot irreführender Close-Buttons

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Vietnam verbietet ab Februar 2026 nicht überspringbare Online-Werbung über fünf Sekunden. Das Gesetz betrifft alle großen Plattformen, inklusive YouTube. Nutzer gewinnen Kontrolle, Creator könnten Einnahmen verlieren.

YouTube-Werbung unter Druck

Nicht überspringbare Werbung gehört für viele von euch zu den größten Nervfaktoren auf YouTube und anderen Videoplattformen. Vietnam zieht nun als erstes Land weltweit eine klare gesetzliche Grenze: Ab dem 15. Februar 2026 müssen Videoanzeigen spätestens nach fünf Sekunden überspringbar sein. Längere Zwangsunterbrechungen sind dann schlicht verboten und das plattformübergreifend.

Schluss mit langen Zwangspausen

Der Schritt kommt nicht aus dem luftleeren Raum. YouTube und andere Plattformen verschärfen seit Monaten ihren Kurs gegen Werbeblocker, während Nutzer gleichzeitig immer längere unüberspringbare Pre-Rolls und Mid-Rolls hinnehmen müssen. Vietnams Regierung greift nun regulierend ein und erklärt diese Praxis für unzulässig. Ziel ist es, die Nutzung digitaler Inhalte weniger frustrierend zu gestalten und manipulative Werbeformen einzudämmen.

Konkret bedeutet das: Bewegte Werbung darf maximal fünf Sekunden lang nicht überspringbar sein. Statische Anzeigen müssen sich sogar sofort schließen lassen. Auch Pop-ups, die Inhalte überdecken, ohne direkt entfernbare Schaltfläche, fallen unter das Verbot. Besonders wichtig: Irreführende oder absichtlich versteckte „Schließen“-Buttons sind explizit untersagt.

Harte Regeln für Plattformbetreiber

Das neue Dekret richtet sich klar an große, internationale Plattformen wie YouTube, Facebook, TikTok oder X. Neben der Zeitbegrenzung fordert der Gesetzgeber mehr Transparenz und Kontrolle für Nutzer. Plattformen müssen leicht auffindbare Optionen bieten, um Werbung zu melden, abzulehnen oder technische Probleme zu kennzeichnen.

Kommt es zu Verstößen, bleibt wenig Spielraum: Gemeldete, illegale Anzeigen müssen innerhalb von 24 Stunden entfernt werden. Andernfalls drohen technische Sperren. Selbst Internetprovider und Mobilfunkanbieter werden in die Pflicht genommen, Inhalte auf behördliche Anordnung kurzfristig zu blockieren. Das ist regulatorisch ein ziemlich scharfes Schwert und eines, das vor allem globale Konzerne treffen dürfte.

Was bedeutet das für YouTube?

Für YouTube ist das Gesetz besonders heikel. Das Geschäftsmodell basiert stark auf Werbeformaten wie Bumper Ads, die sechs Sekunden lang und nicht überspringbar sind. Genau diese würden in Vietnam künftig gegen die Fünf-Sekunden-Regel verstoßen. Eine naheliegende Reaktion wäre, stattdessen mehrere kurze Spots hintereinander zu schalten. Ob das im Sinne der Nutzer ist, steht auf einem anderen Blatt.

Für Creator könnte es ebenfalls unangenehm werden. Wird eine Werbung früh übersprungen, fließt in vielen Fällen keine Vergütung. Weniger Zwangssekunden bedeuten also potenziell weniger Einnahmen, nicht nur für große Influencer, sondern auch für kleinere Kanäle und redaktionelle Angebote.

Deutschland und EU: Kaum vorstellbar

Ein vergleichbarer Eingriff wäre in Deutschland derzeit schwer umsetzbar. Zwar regeln Medienstaatsvertrag und Digital Services Act Kennzeichnung, Jugendschutz und manipulative Designs. Eine feste Sekundenbegrenzung für Werbung würde hierzulande sehr wahrscheinlich mit der unternehmerischen Freiheit kollidieren. Werbung gilt weiterhin als akzeptierte Gegenleistung für kostenlose Inhalte.

Einschätzung

Vietnam setzt ein deutliches Zeichen gegen aggressive Werbeformate und zwingt Plattformen, ihre Mechaniken zu überdenken. Für Nutzer ist das ein Gewinn an Kontrolle, für Plattformen und Creator ein möglicher Einschnitt. Ob andere Länder diesem Beispiel folgen oder ob sich Werbung einfach neu verteilt, bleibt offen. Sicher ist nur: Die Debatte um faire Online-Werbung ist damit um eine spannende Facette reicher.

Wie seht ihr das: Sinnvoller Schutz der Nutzer oder zu starker staatlicher Eingriff in ein funktionierendes Modell?

Kay

Mein Name ist Kay und ich beschäftige mich bereits seit über 20 Jahren mit Technik und Entertainment. Neben NerdsHeaven interessieren mich vor allem Smartphones, Games und PC-Hardware.

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