Anbernic RG35XX Pro im Test – Mehr Ausstattung, aber kaum mehr Power 3,5″, IPS, 640 x 480p, H700 Quad-Core, Retro Gaming, Linux
Der Anbernic RG35XX Pro erweitert die bewährte RG35XX-Serie um Analogsticks, WLAN und Bluetooth. Im Test zeigt sich ein solides Retro-Handheld mit guter Emulationsleistung bis PSP und N64, allerdings ohne signifikante Performance-Steigerung gegenüber den Vorgängern. Das Steuerkreuz neigt gelegentlich zu Fehleingaben, die Analogsticks sind tief eingelassen, und die Display-Helligkeit erreicht keine Spitzenwerte.
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Anbernics RG35XX-Serie gehört mittlerweile zu den Klassikern im Budget-Segment der Retro-Handhelds. Mit dem RG35XX Pro verspricht der Hersteller ein Update, das die bewährte Basis um Analogsticks, WLAN und Bluetooth erweitert. Klingt nach einem soliden Upgrade für rund 65 Euro. Wir haben das Gerät getestet, das nun seit etwa zehn Monaten auf dem Markt ist, und klären, ob die Neuerungen den Aufpreis rechtfertigen oder ob hier nur alter Wein in neuen Schläuchen steckt.
Technische Daten
| Anbernic RG 35xx Pro | |
|---|---|
| Display | 3,5 Zoll, 640 x 480 Pixel, IPS |
| Prozessor | H700 Quad-Core, 1,5 GHz |
| Arbeitsspeicher | 1 GB RAM |
| Speicher | Micro-SD-Karte erforderlich |
| Akku | 3200 mAh (bis zu 7 Stunden laut Hersteller) |
| Anschlüsse | Mini-HDMI, USB-C, 3,5mm Klinke |
| Konnektivität | WLAN (2,4 und 5 GHz), Bluetooth |
| Besonderheiten | Analogsticks, angepasstes Linux-Betriebssystem |
| Preis UVP | 55$ beim Hersteller +Versandkosten |
Testmethodik
Wir haben den RG35XX Pro über mehrere Sessions mit verschiedenen Emulatoren getestet, darunter PSP, N64, Dreamcast sowie klassische 16-Bit-Systeme. Der Fokus lag auf der Emulationsleistung, der Bedienbarkeit der neuen Analogsticks und der Alltagstauglichkeit des Geräts. Zum Vergleich haben wir den R36S herangezogen, ein ähnlich positioniertes Budget-Gerät. Wie bei vielen China-Handhelds üblich, haben wir die mitgelieferte Micro-SD-Karte durch eine hochwertigere Karte ersetzt, um Performance und Stabilität zu verbessern. Das angepasste Linux-System von Anbernic blieb dabei installiert.
Bekannter Kern mit neuen Features, aber nicht Pro
Der RG35XX Pro ist keine Revolution, sondern eine Evolution. Anbernic nutzt den gleichen Kern wie bei den Vorgängern RG34XX und RG35XX: Der H700 Quad-Core mit 1,5 GHz und das 3,5-Zoll-Display mit 640×480 Pixeln sind unverändert. Was sich geändert hat, sind die Ausstattungsdetails. WLAN in zwei Frequenzbändern, Bluetooth, zwei Analogsticks und ein Mini-HDMI-Ausgang machen den Pro zur bislang vollständigsten Variante der Serie.
Die Software basiert auf einem angepassten Linux-System, das Anbernic über die Jahre kontinuierlich verbessert hat. Die Menüführung ist durchdacht, eine dedizierte Menü-Taste macht die Navigation flüssig. Wer schon mal mit einem schlecht angepassten Retro-Handheld gekämpft hat, weiß das zu schätzen. Die Software ist stabil, Abstürze gab es im Test keine.
Emulationsleistung: Solide, aber nicht spektakulär
Die Emulationsleistung reicht bis zu Dreamcast, PSP und N64. Das klingt beeindruckend, hat aber Grenzen. N64-Emulation funktioniert nur bei etwa 60 bis 70 Prozent der Spiele wirklich gut. Anspruchsvolle Titel können ruckeln oder haben Sound-Probleme. PSP läuft stabiler, wobei grafisch aufwendigere Spiele wie God of War an die Grenzen des H700 stoßen. Hier wäre eben gerne mehr Leistung, also Pro schön gewesen.

(8 Bit, 16 Bit und 32/64 Bit von GameBoy bis PSX laufen sehr gut)
Im direkten Vergleich zum R36S zeigt sich der RG35XX Pro bei anspruchsvolleren PSP- und N64-Titeln etwas flüssiger. Die Unterschiede sind spürbar, aber nicht dramatisch. Wer primär 16-Bit-Konsolen oder Game Boy Advance spielen will, bekommt hier mehr Leistung, als er braucht. Wer dagegen PSP und N64 intensiv nutzen möchte, sollte sich bewusst sein, dass nicht jedes Spiel perfekt läuft. Das gilt für beide Konsolen inklusive einiger Grafikfehler.
Bedienung: Analogsticks mit Kompromissen
Die Integration von Analogsticks ist eines der Hauptargumente für den Pro. Sie funktionieren und erweitern die Einsatzmöglichkeiten, vor allem bei PSP- und N64-Titeln. Allerdings sind sie tief eingelassen, was der kompakte Formfaktor erzwingt. Das führt dazu, dass präzise Bewegungen, besonders bei schnellen Richtungswechseln, nicht immer so sauber gelingen wie bei größeren Handhelds.
Das Steuerkreuz reagiert grundsätzlich gut, hat aber eine Schwäche: Bei bestimmten Bewegungen, etwa Vierteldrehungen, registriert es gelegentlich ungewollte Eingaben. Wer Fighting Games spielt, wird das vielleicht gelegentlich merken. Für die meisten Retro-Titel ist das kein Dealbreaker, aber es zeigt, dass Anbernic hier Kompromisse eingegangen ist, um den Formfaktor beizubehalten.
Display und Akkulaufzeit
Das IPS-Panel mit 640 x 480 Pixeln liefert ein scharfes Bild im 4:3-Format, ideal für klassische Konsolen. Die Helligkeit ist ausreichend für Innenräume, erreicht aber nicht die Spitzenwerte anderer Geräte. Bei direkter Sonneneinstrahlung wird es schwierig. Wer viel unterwegs spielt, sollte das einkalkulieren.

(Wie gewohnt bei Anbernic gibt’s beim Display kaum was zu meckern, maximal ein wenig mehr Helligkeit)
Der 3200-mAh-Akku soll laut Hersteller bis zu sieben Stunden durchhalten. Das ist realistisch, wenn man nicht dauerhaft anspruchsvolle PSP-Titel mit maximaler Helligkeit spielt. Für eine Zugfahrt oder einen Nachmittag auf der Couch reicht es allemal. USB-C sorgt für zeitgemäßes Laden. Probleme mit unterschiedlichen Kabeln, ob nun Typ-C auf C oder C auf A machten keine Probleme, auch nicht an unterschiedlichen Netzteilen. Beim Beladen sollte man sich aber Zeit nehmen: Mit der Akkuladgeschwindigkeit von gerade mal 5v / 1A bedeutet, dass man mit mageren 7,5 Watt lädt. Entsprechend lange zieht sich das Ganze.
Vergleich mit dem R36S
Der R36S ist ein direkter Konkurrent im spürbar günstigeren Preissegment. Beide Geräte nutzen ähnliche Hardware, der RG35XX Pro hat aber die bessere Software-Integration und die stabilere Emulationsleistung und ganz leicht die Nase in der Performance vorn. Bei anspruchsvolleren Titeln läuft der Pro dementsprechend leicht flüssiger, die Menüführung ist aber definitiv durchdachter. Der R36S punktet mit einem etwas helleren Display und einem spürbar günstigeren Preis.

(Links RG35XX Pro, rechts R36S)
Wer Wert auf WLAN, Bluetooth und Analogsticks legt, findet beim RG35XX Pro die kompletteste Ausstattung. Wer primär 16-Bit-Konsolen spielt und auf Konnektivität verzichten kann, bekommt mit dem R36S ein ebenfalls solides Gerät, mit dem Defizit, dass die Menüführung nicht optimal ist. Die Unterschiede sind nicht riesig, aber vorhanden, gerade im Preis.
Mini-HDMI und Konnektivität
Der Mini-HDMI-Ausgang ist ein nettes Extra, das den RG35XX Pro auch als kleine Retro-Box am Fernseher nutzbar macht. WLAN und Bluetooth erweitern die Möglichkeiten, etwa für Scraping von Metadaten oder den Anschluss externer Controller. In der Praxis sind das Features, die man nicht täglich nutzt, die aber den Pro von den Vorgängern abheben. Der R36s bietet keines dieser Features.
Die Sache mit den SD-Karten
Wie bei vielen Budget-Handhelds gilt auch hier: Von der mitgelieferten Micro-SD-Karte solltet ihr ein Backup machen und sie durch eine hochwertige MicroSD Karte ersetzen. Die Ladezeiten verkürzen sich, Spiele laufen stabil und das Risiko von Datenverlust sinkt. Das ist keine Schwäche des RG35XX Pro, sondern leider oft Standard in diesem Segment.
Fazit: Solides Update ohne Überraschungen
Der Anbernic RG35XX Pro ist kein Quantensprung, sondern ein durchdachtes Update einer bewährten Basis. Die Analogsticks, WLAN und Bluetooth machen das Gerät vielseitiger, die Emulationsleistung ist für die meisten Retro-Titel ausreichend. Gleichzeitig bleibt die Performance im Vergleich zu den Vorgängern nur marginal besser, das Display erreicht keine Spitzenwerte und das Steuerkreuz neigt zu gelegentlichen Fehleingaben.
Wer einen kompakten, gut ausgestatteten Retro-Handheld für rund 65 Euro sucht und keine Wunder erwartet, bekommt hier ein solides Gerät. Wer bereits einen RG34XX oder RG35XX besitzt, findet wenig Gründe für ein Upgrade. Für Einsteiger in die Welt der Retro-Handhelds ist der Pro eine gute Wahl, solange die Erwartungen realistisch bleiben.
Alle anderen greifen zum günstigeren R36s der eine fast gleiche Performance liefert, eine minimal bessere Akkulaufzeit besitzt, aber Defizite in der Menüführung und im Beenden der Spiele hat.
Habt ihr Erfahrungen mit Anbernics RG-Serie gemacht? Welche Retro-Konsole emuliert ihr am häufigsten?


