DSL vor dem Aus? – Droht euch bald der Zwangswechsel auf Glasfaser? Kupferabschaltung, FTTH-Quote 80 Prozent, 36-Monats-Ankündigung

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Die Bundesnetzagentur will den DSL-Ausstieg mit festen Quoten und Fristen regeln. Verbände begrüßen die Planbarkeit, kritisieren aber die 80-Prozent-FTTH-Schwelle und einen möglichen Open-Access-Zwang zugunsten der Telekom. Der Streit dreht sich um Tempo, Fairness und Investitionsanreize.

Wenn ihr heute noch am DSL-Router hängt, läuft das Internet meist „gut genug“, bis der Nachbar schon mit Glasfaser prahlt und ihr euch fragt, wann das Kupfer bei euch dran ist. Genau diese Debatte schiebt die Bundesnetzagentur jetzt mit einem neuen Konzept an: Der Wechsel von Kupfer (DSL/VDSL) zu Glasfaser (FTTH) soll regelbasiert starten, inklusive Fristen und klaren Bedingungen. Aus der Branche kommt dafür viel Zustimmung, aber auch spürbarer Gegenwind, vor allem beim Thema Open Access.

Was die Bundesnetzagentur konkret plant

Im Kern will die Behörde lokale Kupfernetze erst dann abschalten lassen, wenn ein Gebiet weitgehend auf Glasfaser umgestellt ist. Als Schwelle nennt das Konzept 80 Prozent FTTH (Glasfaser bis in die Wohnung). Dazu kommt ein gestaffelter Zeitplan: Die Abschaltung muss 36 Monate vorher angekündigt werden, und spätestens 24 Monate vorher soll ein Vermarktungsstopp greifen, also keine neuen DSL-/VDSL-Verträge mehr im betroffenen Gebiet.

BREKO: Lob für den Fahrplan, Kritik an der 80-Prozent-Hürde

Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) bewertet das Regulierungskonzept grundsätzlich positiv. Geschäftsführer Stephan Albers begrüßt den diskriminierungsfreien Ansatz und hält die Drei-Jahres-Frist zwischen Ankündigung und Abschaltung für angemessen. Gleichzeitig stört sich der Verband an der 80-Prozent-Quote: Die Marke sei zu hoch und bremse den Technologiewechsel.

BREKO würde lieber stärker an „Homes Passed“ anknüpfen, also daran, ob Glasfaser ein Gebäude bereits erreicht, auch wenn noch nicht jede Wohnung aktiv angeschlossen ist. Aus Sicht des Verbands könnte das den Umstieg realistischer und schneller machen.

VATM: Endlich planbar – aber bitte bundesweit und transparent

Auch der Verband der Anbieter im Digital- und Telekommunikationsmarkt (VATM) sieht im Konzept einen wichtigen Schritt hin zu einer planbaren Migration. VATM-Geschäftsführer Frederic Ufer hebt hervor, dass künftig nicht nur die Telekom Abschaltungen anstoßen soll. Auch Wettbewerber oder die Behörde selbst könnten tätig werden, wenn die Bedingungen erfüllt sind.

Der VATM fordert allerdings einen bundesweiten Migrationsplan mit klaren Meilensteinen. Hintergrund: Viele Haushalte bleiben bei DSL/VDSL, solange es funktioniert. Zum Jahreswechsel sollen es laut VATM noch rund 23 Millionen Anschlüsse sein.

ANGA und Co.: Einigkeit beim Kupfer-Aus, Streit um „symmetrische Regulierung“

Beim Punkt „Kupfer muss weg“ sind sich BREKO, VATM und der Breitbandverband ANGA einig. Scharfe Kritik kommt jedoch an einer möglichen Ausweitung der sogenannten symmetrischen Regulierung. Gemeint ist eine Pflicht, dass alle Netzbetreiber der Telekom Open-Access-Zugänge auf ihren Glasfasernetzen einräumen müssen.

Die Verbände warnen: So eine Vorgabe könnte Investitionen ausbremsen, weil der Ausbau sich schlechter rechnet, wenn der Netzbetreiber die Infrastruktur stärker teilen muss. Open Access funktioniere vielerorts bereits freiwillig über Kooperationen und genau dort sehen die Verbände eher den Hebel als bei starren Pflichten.

Warum das Thema gerade jetzt hochkocht

Der Parallelbetrieb von Kupfer und Glasfaser kostet Geld und gilt als ineffizient, gleichzeitig wechseln viele Nutzer nicht ohne Druck. Mit dem Konzept will die Bundesnetzagentur den Umstieg beschleunigen, ohne Kunden „über Nacht“ vom Netz zu trennen. Der Streit dreht sich deshalb weniger um das Ob, sondern um das Wie: Quote, Zeitplan und Wettbewerbsregeln entscheiden, ob der Wechsel fair und wirtschaftlich bleibt.

Einschätzung

Der Plan bringt Struktur in ein Thema, das sonst ewig im „Irgendwann“-Modus hängen bleibt. Gleichzeitig wirkt die Diskussion um Open Access wie ein klassischer Zielkonflikt: mehr Wettbewerb für euch als Kunden, aber bitte ohne den Ausbau abzuwürgen. Wie streng sollte der Wechsel eurer Meinung nach geregelt werden und würdet ihr lieber Kooperation erzwingen oder den Markt das über freiwillige Modelle lösen lassen?

Kay

Mein Name ist Kay und ich beschäftige mich bereits seit über 20 Jahren mit Technik und Entertainment. Neben NerdsHeaven interessieren mich vor allem Smartphones, Games und PC-Hardware.

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