GameStop will eBay für 55,5 Milliarden US-Dollar übernehmen GameStop, eBay, Übernahme
GameStop soll laut Berichten ein Übernahmeangebot für eBay vorbereiten. Die Nachricht ließ eBays Aktienkurs steigen, wirft aber Fragen zur Finanzierung und strategischen Logik auf. Der mögliche Deal wäre ein bemerkenswerter Präzedenzfall für die neue Ära der Meme-Stock-Unternehmen.
Es gibt Übernahme-Gerüchte, die überraschen. Und dann gibt es welche, bei denen man zweimal auf das Datum schaut, um sicherzugehen, dass es kein verspäteter Aprilscherz ist. GameStop, die Videospiel-Einzelhandelskette, die in den letzten Jahren vor allem durch Reddit-getriebene Aktienkurs-Eskapaden und eine schwierige Transformation ins digitale Zeitalter Schlagzeilen machte, soll angeblich ein Übernahmeangebot für eBay vorbereiten. Ja, richtig gelesen: GameStop will eBay kaufen.
Die Meldung: GameStop greift nach eBay
Anfang Mai berichtete zunächst Bloomberg Tech, dass eBay nach entsprechenden Berichten deutlich an der Börse zulegte. Wenige Tage später bestätigte Engadget, dass GameStop tatsächlich an einem Angebot arbeite, den Online-Marktplatz zu übernehmen.
Der Kaufpreis beträgt laut ersten Angaben 55,5 Milliarden US-Dollar, wie das Unternehmen am 4. Mai 2026 bekannt gab. Damit würde die einstige Videospiel-Einzelhandelskette einen der größten Online-Marktplätze der Welt unter ihre Kontrolle bringen.
Preis liegt beim 15-Fachen des Jahresumsatzes
Die Summe ist bemerkenswert hoch: GameStop zahlt etwa das 15-Fache des Umsatzes, den eBay im Jahr 2025 erwirtschaftet hat. Zum Vergleich: Solche Multiples sind selbst im Tech-Sektor ungewöhnlich. Üblich sind bei etablierten E-Commerce-Plattformen eher Faktoren zwischen drei und sechs. GameStop begründet den Preis mit erwarteten Synergien zwischen beiden Unternehmen, Details dazu bleiben aber vage.
Wie genau ein stationärer Händler mit schrumpfendem Kerngeschäft und eine Auktionsplattform mit stagnierendem Wachstum zusammenpassen sollen, wird sich zeigen müssen. GameStop hat in den vergangenen Jahren versucht, sich neu zu erfinden, nachdem der physische Verkauf von Videospielen zunehmend durch digitale Downloads ersetzt wurde. Die Transformation verlief holprig. Der Konzern experimentierte mit NFTs, baute ein Krypto-Wallet und versuchte sich als Meme Stock Phänomen zu monetarisieren. Keiner dieser Ansätze führte zu nachhaltigem Wachstum.
eBay als Rettungsanker oder Milliardengrab?
eBay selbst befindet sich seit Jahren in einer Defensive gegenüber Amazon und spezialisierten Marktplätzen. Die Plattform ist profitabel, aber nicht mehr die erste Anlaufstelle für Online-Käufer. Der Verkauf von PayPal 2015 und der Verzicht auf eigene Logistik-Infrastruktur haben eBay zwar schlanker, aber auch weniger relevant gemacht. Was GameStop mit dieser Übernahme erreichen will, bleibt unklar. Laut Unternehmensangaben sollen Synergien die hohe Bewertung rechtfertigen, konkrete Pläne wurden bisher nicht vorgelegt.
Man kann spekulieren: Vielleicht plant GameStop, seine Handelskompetenz für gebrauchte Spiele und Konsolen auf eBays Plattform zu skalieren oder das Unternehmen hofft, durch den Zugang zu eBays Nutzerbasis neue Vertriebswege für physische und digitale Produkte zu erschließen. Beides klingt nach Strategien, die auch ohne 55,5 Milliarden Dollar Kaufpreis umsetzbar wären.
Einordnung: Ein Deal mit vielen Fragezeichen
Die Übernahme reiht sich ein in eine Phase großer Übernahmeangebote im Medien- und Tech-Sektor. Doch während Paramount und Warner Bros. zumindest inhaltlich verwandte Geschäftsmodelle verfolgen, bleibt die strategische Logik hinter GameStop und eBay nebulös. Die Bewertung ist ambitioniert, die Synergiepotenziale unklar, und beide Unternehmen kämpfen mit strukturellen Problemen in ihren Kernmärkten.
GameStop hat in der Vergangenheit bewiesen, dass es eine treue Community mobilisieren kann. Ob diese Loyalität ausreicht, um eine der größten E-Commerce-Übernahmen der letzten Jahre zu rechtfertigen, ist eine andere Frage. Die Finanzierung des Deals ist bisher nicht im Detail bekannt. Angesichts der Größenordnung dürfte GameStop auf externe Kapitalgeber oder eine Mischung aus Aktien und Fremdkapital setzen müssen.
Bleibt die Frage: Ist das der verzweifelte Versuch eines Unternehmens, sich durch Größe zu retten? Oder steckt hinter der Übernahme ein Plan, den wir erst in ein paar Quartalen verstehen werden? Was haltet ihr von dem Deal?
