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Raspberry Pi: Ein Mini-Computer erobert die Welt

Ein brauchbarer Computer für knapp 40 Euro – das gibt’s nicht? Doch, das gibt es! Der Name des Wundergeräts: Raspberry Pi. Der Mini-PC hat sich weltweit mehr als zehn Millionen Mal verkauft. Was ist sein Erfolgsgeheimnis?

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Erste Schritte an der Uni

Die Geschichte des Raspberry Pi begann 2006 an der Universität von Cambridge. Viele Informatikstudenten hatten vom Programmieren keinen blassen Schimmer, in den Jahrzehnten davor war das noch ganz anders gewesen. Die Dozenten der Uni suchten nach einem Appetitmacher, der den Studenten wieder Lust aufs Programmieren machen sollte. Da Früchtenamen für Computer seinerzeit in Mode waren, Apple lässt grüßen, entwickelte man einen Heimcomputer mit dem Namen Raspberry – Englisch für „Himbeere“. Das „Pi“ steht zwar offiziell für die Programmiersprache „Python“, die Ähnlichkeit zum englischen „Pie“, also Torte, hat die Namensgeber aber sicher nicht gestört. Heraus kam also der Name „Raspberry Pi“.

Drei Jahre später gründete eine sechs Mann starke Gruppe dann die Raspberry Pi Foundation, 2011 präsentierte man den ersten serienreifen Prototyp. Mit durchschlagendem Erfolg: Die erste Auflage mit 1.000 Stück ging weg wie warme Semmeln. Nach zwischenzeitlichen Lieferschwierigkeiten übernahmen die Firmen RS Components und Premier Farnell/Element 14 Produktion und Verkauf.

Nackt, billig, vielseitig

Der Raspberry Pi ist ein Mini-PC im Scheckkarten-Format ohne Gehäuse, er besteht im Wesentlichen aus einer Platine mit einigen Chips und Anschlüssen. Gedacht ist er für Bastler, Studenten und Schüler, die mit dem 37-Euro-Computer experimentieren sollen. Warum die große Nachfrage? Nicht nur die Studenten, denen die Dozenten die smarten Mini-Rechner demonstrierten, waren begeistert. Denn der Raspberry Pi vereint Eigenschaften, die es in dieser Form bislang nicht gab: Er ist kompakt, extrem günstig und einfach zu programmieren. Egal ob ferngesteuerter Roboter, Espressomaschine oder Drohne – aufgrund der vielen Schnittstellen für Sensoren und Schalter erwies sich der Rasperry Pi als Multitalent. Vor allem entpuppte sich der Mini-PC als optimale Plattform für Medienserver, die Internet, Videos und Fotos auf den Fernseher bringen. Die dafür benötige Software, beispielsweise Raspbmc (heute OSMC), gab’s kostenlos im Internet. Darüber hinaus verbreiteten sich Anleitungen für nützliche, aber auch kuriose Projekte überall im Web. Das weckte das Interesse von immer mehr Tüftlern, die wiederrum neue Projekte veröffentlichten.

Drei Zutaten für gelungene Projekte

Wer ein eigenes Projekt auf Basis des Raspberry Pi auf die Beine stellen will, benötigt dafür nur drei Zutaten:

  • Hardware: Die aktuelle Version, Raspberry Pi 3, kostet knapp 40 Euro. An Bord sind WLAN, LAN, HDMI, Bluetooth, vier USB-Anschlüsse und eine microSD-Speicherkarte. Der Raspberry Pi 3 bietet überdies über die sogenannte GPIO-Leiste sowie mit seinen DSI- und CSI-Anschlüssen die Möglichkeit, externe Geräte wie Sensoren, Kameralinsen und kleine LC-Bildschirme anzusteuern und auszulesen. Besonders hohe Leistung liefert der Rechnerzwerg mit seinem 1,2-Gigahertz-Prozessor zwar nicht, zum Surfen reicht es so gerade. Aufwendige Programme laufen nicht, dafür ist der Raspberry Pi aber auch nicht gedacht. Der Stromverbrauch wiederum ist mit rund zwei Watt lächerlich niedrig.

  • Software: Von der SD-Karte lädt der Mini-Rechner ein Linux-Betriebssystem wie RISC OS oder Raspian OS, das Browser, App-Store und Entwicklertools gleich mitbringt. Neuerdings lässt sich sogar Windows 10 auf dem Raspberry Pi installieren. Steuern lässt sich das Ganze wie gewohnt per Maus und Tastatur.

  • Anleitungen: Der Raspberry Pi kommt nackt, also ohne vorinstalliertes Programmpaket. Welche Programme für bestimmte Projekte benötigt werden und wie der Einstieg in die Programmierung klappt, liefern Internetseiten wie raspberry.tips.

Programmieren für jedermann?

Ganz so einfach ist das Programmieren nicht. Auspacken und loslegen ist ohne Programmierkenntnisse nicht möglich, viele Aktionen lassen sich nur über in eine Konsole eingetippte Befehle auslösen. Selbst an den vorgefertigten Projekten, die sich aus dem Web laden lassen, müssen Nutzer meist noch feilen.

Fazit

Der Raspberry Pi ist ein Computer alter Schule, wie ihn heute nur noch wenige User kennen. Nicht Klicken führt zum Ziel, sondern Tüfteln, Ausprobieren und der Erfahrungsaustausch mit anderen Nutzern. Diese Mischung macht den Reiz und den Erfolg des Raspberry Pi aus – ein Gerät für Otto-Normaluser ist er aber nicht.

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