Xiaomi Tag kommt viel zu spät – Lohnt sich der AirTag-Konkurrent überhaupt noch? Bluetooth 5.4 BLE, IP67, unterstützt Google Android Find Hub und Apple Wo ist?
Der Klassiker im Alltag. Schlüssel verschwinden genau dann, wenn ihr eigentlich los müsst. Natürlich liegen sie nicht sichtbar auf dem Tisch, sondern irgendwo zwischen Sofakissen, Rucksack oder Jackentasche. Genau für solche Momente sind Smart Tracker gedacht. Xiaomi steigt nun ebenfalls in den Markt ein und bringt mit dem Xiaomi Tag einen kompakten Bluetooth-Tracker für Android und iOS an den Start. Klingt erst einmal spannend, denn gerade die plattformübergreifende Unterstützung ist noch immer eher selten. Trotzdem bleibt nach einigen Tagen Nutzung ein kleiner Haken hängen, der hat drei Buchstaben! UWB.
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Schickes Design statt Plastikscheibe
Optisch macht der Xiaomi Tag direkt einen guten Eindruck. Statt eines einfachen runden Plastikchips setzt Xiaomi auf ein längliches Design mit integriertem Metallring. Dadurch wirkt der Tracker eher wie ein hochwertiger Schlüsselanhänger und weniger als ein Technik-Gadget aus der Krabbelkiste neben USB-Ventilatoren und LED-Tassenwärmern.
Mit 46,5 x 31 x 7,2 mm bleibt der Tracker angenehm kompakt und verschwindet problemlos in Tasche oder Geldbörse. Dazu kommen nur 10 Gramm Gewicht, womit er sogar leichter ausfällt als einige bekannte Konkurrenten. Praktisch ist außerdem die integrierte Schlaufe. Ihr benötigt also kein zusätzliches Zubehör, um ihn am Schlüsselbund oder Rucksack zu befestigen.
Auch beim Schutz liefert Xiaomi solide Kost. Der Tracker ist nach IP67 gegen Staub und Wasser geschützt. Regen, Schmutz oder der spontane Kontakt mit einer Getränkepfütze auf dem Festival sollten also kein Drama sein.
Android und iPhone? Funktioniert tatsächlich
Eine der spannendsten Funktionen ist die Unterstützung beider Ökosysteme. Unter Android nutzt der Xiaomi Tag Googles Find Hub, während er unter iOS direkt mit Apples „Wo ist?“-Netzwerk arbeitet. Das Pairing klappt unkompliziert und erinnert stark an die Einrichtung eines AirTags.
Interessant wird es vor allem für Haushalte mit gemischter Technik. Nicht jeder nutzt iPhone, Android-Smartphone und Tablet aus demselben Lager. Genau hier könnte Xiaomi eigentlich punkten. Leider gibt es eine Einschränkung: Der Tracker arbeitet zwar mit beiden Plattformen, aber nicht gleichzeitig. Ein gemeinsames Tracking eines Gegenstands zwischen Android- und iPhone-Nutzern ist also nicht möglich. Schade eigentlich, denn genau das wäre ein echtes Alleinstellungsmerkmal gewesen.
Solide Ortung mit einem entscheidenden Problem
Im Alltag funktioniert die Ortung grundsätzlich zuverlässig. Über die jeweilige App könnt ihr den letzten Standort abrufen oder den Tracker klingeln lassen. Der Lautsprecher reicht für ruhige Räume aus, geht aber schnell unter, wenn der Schlüsselbund tief in der Couchritze verschwunden ist. Und genau hier zeigt sich das eigentliche Problem.
Dem Xiaomi Tag fehlt Ultra-Wideband (UWB). Diese Technik ermöglicht bei AirTag oder Galaxy SmartTag eine extrem präzise Nahbereichssuche mit Richtungsanzeige. Statt „irgendwo links“ bekommt ihr dort quasi „noch zwei Schritte und dann unter dem Kissen“. Ohne UWB bleibt beim Xiaomi Tag lediglich eine grobe Annäherung per Bluetooth-Kreisanimation. Das funktioniert, fühlt sich aber deutlich unpräziser an.
Und ehrlich gesagt ist genau diese Funktion oft der Hauptgrund für einen Smart Tracker. Denn wenn der Schlüssel offen sichtbar herumliegt, braucht ihr keinen Tracker. Spannend wird es erst, wenn das Ding zwischen Sofapolstern oder unter Wäschebergen verschwunden ist – also genau dort, wo ein gedämpfter Signalton wenig hilft.
Akku, Sicherheit und kleine Schwächen
Im Inneren arbeitet eine austauschbare CR2032-Batterie, die laut Xiaomi über ein Jahr halten soll. Das entspricht dem üblichen Standard in dieser Geräteklasse. Positiv: Der Batteriewechsel gelingt unkompliziert ohne Werkzeugakrobatik.
Weniger überzeugend wirkt dagegen die Sicherheit. Der Xiaomi Tag besitzt aktuell keinen echten Manipulationsschutz. Wird der Tracker gefunden, kann ihn theoretisch jemand zurücksetzen und neu koppeln. Hier fehlen Schutzmechanismen, wie man sie von Apple oder Samsung kennt.
Einschätzung
Der Xiaomi Tag ist kein schlechter Tracker. Im Gegenteil: Für einen vergleichsweise günstigen Einstieg liefert Xiaomi ein ordentlich verarbeitetes Gerät mit guter Plattformunterstützung und einfacher Bedienung. Gerade das Zusammenspiel mit Android und iOS macht ihn interessant.
Trotzdem fehlt ihm am Ende genau die Technik, die moderne Smart Tracker wirklich komfortabel macht. UWB ist längst kein Luxus mehr, sondern inzwischen fast das wichtigste Feature dieser Produktklasse. Deshalb bleibt der Xiaomi Tag eher ein solider Bluetooth-Tracker als ein echter AirTag-Konkurrent. Für Taschen, Gepäck oder Alltagsgegenstände reicht das völlig aus. Wer jedoch präzise suchen möchte, wird den Unterschied schnell merken.
Wie wichtig ist euch bei einem Smart Tracker die präzise Nahbereichssuche? Reicht euch Bluetooth-Ortung aus oder gehört UWB inzwischen einfach dazu?





